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Signatur: 2 Inc.c.a. 3404
Johannes des Turrecremata: Summa de ecclesia.
Hrsg. Von Johannes Monissart; Flores sententiarum sancti Thomae de Aquino de auctoritate summi pontificis. Mit Widmungsbrief an Ludovicus Pot, Bischof von Tournai
Lyon: Johann Trechsel, 20.9.1496, 270 Bl., 2°
Spätgotischer Holzdeckelband mit braunem Kalblederbezug, Hs. rubriziert und mit roten Lombarden
Signatur: 2 Inc.c.a. 3404
 
Buchpate: Hans-Ulrich Wegener, München

Die Inkunabel, also ein Druckwerk aus der Frühzeit des Buchdrucks, mit der Summa de ecclesia des einflußreichen spanischen Dominikaners Johannes de Turrecremata (1388-1468, Juan de Torquemada) wurde von Johann Trechsel in Lyon gedruckt. Sie trägt im Impressum das Druckdatum 20. September 1496. Johannes de Turrecremata war ein entschiedener Vertreter der alten katholischen Ekklesiologie (Lehre von der Kirche), was vor allem in seiner viel beachteten Summa de ecclesia zum Ausdruck kommt. Er verfasste noch manche andere Werke, so die Expositio in psalterium, die Meditationes (erstmals gedruckt 1467 in Rom), die Relevationes Caelestis Seraphicae matris S. Brigittae, eine Abhandlung über die Wirksamkeit des Weihwassers, Kommentare zu den Dekreten Gratians, einen Kommentar zur Benediktinerregel und die Quaestiones evangeliorum de tempore et de sanctis. Johannes de Turrecremata wurde 1388 in Valladolid geboren und studierte dort. 1416/17 nahm er am Konstanzer Konzil teil. Danach setzte er seine Studien in Paris fort und war später Prior in Valladolid und Toledo. Vom August 1432 bis zum Januar 1438 weilte er als päpstlicher Gesandter und Bevollmächtigter des Königs von Kastilien in Basel und vertrat dort am Konzil gegen die Mehrheit der Konzilsteilnehmer die papalistische Linie, das heißt den Primat des Papstes über das Konzil. Er wandte sich dort auch gegen die Lehre der Unbefleckten Empfängnis Mariae. 1438/39 nahm er an den Unionsverhandlungen mit der Ostkirche am Konzil von Ferrara teil. 1439 wurde er von Papst Eugen IV. zum Kardinal erhoben. 1440 wurde er Bischof von Cádiz, 1442 von Orense, 1455 von Palestrina, 1463 von Sabina und 1466 schließlich von León. In diesen Jahren hielt er sich als Kardinal immer wieder in Rom auf. Er starb 1468 in Rom. Sein Grab befindet sich in der Dominikanerkirche S. Maria sopra Minerva in der Nähe des Pantheons.

Die Inkunabel ist in einen spätgotischen Kalbslederband gebunden, der mit Blindstempeln verziert ist. Die Stempelformen weisen auf die Werkstatt von Kloster Tegernsee hin. Im Vorderdeckel klebt als Spiegel ein Pergamentfragment von einem Lektionar des 12. Jahrhunderts, im Rückdeckel findet sich als Pergamentspiegel ein Formular mit Suffragien, ausgestellt vom Dominikanerprovinzial Leonardus de Mansuetis, Rom 6.3.1478, für Ulrich Greymolt, Pfarrer und Dekan in Schongau, Anna Glaserin, Magdalena Wideman und deren Familien.


Zustand vor der Restaurierung:
  • Buchblock v.a. zur vorderen und oberen Deckelkante hin verschmutzt
  • Risse in den ersten und letzten Blättern
  • mit Blindstempeln verziertes Rückenleder vielfach eingerissen, teilweise lose, z.T. schon verloren

Notwendige Maßnahmen:
  • Trockenreinigung
  • Risse in den ersten und letzten Blättern schließen
  • Bezug sichern, Rücken mit neuem Leder unterlegen
  • Schutzkartonage