Schnellzugriff

Bereichsmenü

Signatur: Mus.ms.23160-1/9
Ermanno Wolf-Ferrari: Das Himmelskleid
 
Autographe Partiturhandschrift und sieben autographe Partiturfragmente
Signatur: Mus.ms. 23160-1/9
 
Buchpatin: Martina Aumüller, München
 
Die Bayerische Staatsbibliothek sammelt seit Jahrzehnten das Werk von Ermanno Wolf-Ferrari (1876-1948), dessen Leben und musikalisches Schaffen aufs engste mit der Stadt München verbunden sind. Nach einem Studium an der Münchener Akademie der Tonkunst bei Josef Gabriel Rheinberger in den Jahren 1892 bis 1895 lebte und wirkte Wolf-Ferrari als erfolgreicher Opernkomponist ab 1900 überwiegend in München.
 
Die deutschen Fassungen einiger seiner bedeutendsten und bis in die Gegenwart lebendigen Opern wurden in München uraufgeführt, darunter die musikalische Legende Das Himmelskleid am 21. April 1927 unter Hans Knappertsbusch. Es handelt sich um Wolf-Ferraris erste Oper nach einer langjährigen Schaffenspause; die Kriegsereignisse hatten den Komponisten zu völligem Verstummen gebracht. Wolf-Ferrari hat den Text der Legende, in der er sein "größtes und tiefstes Werk" sah, selbst in deutscher und italienischer Sprache geschrieben. In einer umfangreichen Sammlung von Musikhandschriften aus dem Nachlaß des Komponisten befinden sich die zentralen Quellen zur Komposition des Himmelskleids. Auch das Aufführungsmaterial der Uraufführung befindet sich in der Bayerischen Staatsbibliothek (St.th. 1573).
 
Herausragendes Stück dieser Sammlung ist die großformatige (45 x 32 cm), überwiegend eigenhändige Partitur des vollständigen Werkes ohne die Singstimmen (ein Verfahren, das sich bei Wolf-Ferrari auch an anderer Stelle findet). Die Partitur stellt die Hauptquelle für das Werk dar und bietet hochinteressante Einblicke in die Werkstatt von Komponist und Stecher. Sie besteht aus 479 Einzelblättern, die ersten siebzig, die den ersten Akt enthalten, beidseitig beschrieben, die restlichen einseitig. Von Wolf-Ferraris eigener Hand stammen rund zwei Drittel. Die von fremder Hand geschriebenen Partien hat der Komponist sorgfältig durchgesehen. Mit roter Tinte hat er die Vortragbezeichnungen ergänzt.
 
Die Blätter dienten als Vorlage für die gestochene Partitur, die im Verlag Weinberger erschien. Sie enthalten umfangreiche Eintragungen des Stechers, darunter szenische Anweisungen, Tempobezeichnungen, Probenziffern und Seitenzahlen der späteren gedruckten Partitur. An vielen Stellen finden sich eigenhändige Hinweise Wolf-Ferraris für den Stecher. Die Partien der Singstimmen wurden vom Stecher wohl aus einem fertigen Klavierauszug entnommen. Zur Orientierung hat er an einigen Stellen fragmentarische Passagen der Singstimmen eingetragen.
 
Neben der eigentlichen Partitur sind insgesamt sieben, zum Teil umfangreiche Partiturfragmente überliefert, alle im Großformat 45 x 32 cm. Ihre Stellung innerhalb des Werkes ist geklärt. In zwei Fällen - Mus.ms. 23160-5 und Mus.ms. 23160-8 - hat Wolf-Ferrari die Rückseiten des zunächst einseitig beschriebenen Papiers zur Niederschrift anderer Teile des Werks verwendet. Mus.ms. 23160-9 enthält einzelne ausgesonderte Partiturseiten und Partiturskizzen. Insgesamt bieten die sieben Partiturfragmente hochinteressante Einblicke in die Werkstatt des Komponisten.
 
Zustand vor der Restaurierung:
 
Die ungebundenen Blätter sind durch die Arbeiten des Stechers, durch starke Benützung und durch die frühere, unsachgemäße Lagerung an den Rändern angestoßen, geknickt und eingerissen. Vor allem außenliegende Blätter sind durch Feuchtigkeit und Schmutz stark geschädigt. Ein Langzeitrisiko stellt die im Papier enthaltene Säure dar.
 
Notwendige Maßnahmen:
  • Trockenreinigen
  • Bei Bedarf Entsäuern durch ethanolisches Besprühen
  • Blattrestaurierung (Risse schließen, Blattränder sichern)
  • Anfertigung einer paßgenauen Schutzkassette