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Signatur: Cod.icon. 307
Sammlung von Wappen aus verschiedenen, mehrheitlich deutschen Ländern
372 Bl., Papier, 30 x 21 cm, Herkunft unbekannt
 
Signatur: Cod.icon. 307
 
Die Restaurierung ermöglichten Patricia und Franz Hammerlindl, München
 
Die in Deutschland um 1600 als Nachschlagewerk angelegte Sammlung von Wappen aus vorwiegend deutschen Ländern vereinigt mehrere tausend Familien- und Territorialwappen in überwiegend, teilweise mit Gold kolorierten Holzschnitten, Kupferstichen, Zeichnungen und in Malerei. Die Sammlung bietet reiches Quellenmaterial für die historische Forschung.
 
Die Wappendarstellungen mit Namensnennung von Familien des hohen und Turnieradels sowie des Bürgertums zeigen das spanische und französische Halbrundschild, überwiegend jedoch Tartschen, ausgestattet mit Helm, Helmzier und -decke, seltener mit heraldischen Prunkstücken wie Mitra, Adelskrone und Wappenhaltern. Zweimal (S. 202, S. 391) findet sich die Kollane des Ordens vom Goldenen Vlies, auf Seite 444 ist der Gürtel mit der Wortdevise Honi soit qvi mal y pense des Order of the Garter, des Hosenbandordens, dargestellt. Ein Anhaltspunkt für die Datierung der Sammlung sind signierte, datierte und lokalisierte Wappenblätter: Alexander Mair Augsburg Fecit Anno 1599 (S. 233) (Thieme-Becker XXIV, 461 f.), Stephanus Herman (Thieme-Becker XVI, 503 f.) excud. Georgius Herman (Thieme-Becker XVI, 504.) Fecit. Anno 1596 Onnolzbachii (Ansbach) (S. 468-470).
Der geographische Rahmen umfaßt überwiegend das Alte Reich mit Schwerpunkt Süddeutschland, Österreich mit den Habsburger Kronländern, das Elsaß, aber auch ein Konvolut aus Spanien und eines von französischen Wappen, bis auf letztere mehrfach redundant. Einige Wappen stammen offensichtlich aus dem Zusammenhang eines Stammbuchs. Gelegentlich (S. 32, S. 100, S. 159) ist der Fundort der Vorlage angegeben. Auffällig sind die sechs sporadisch eingefügten Einzelblätter mit Wappen der geographisch verstreuten Familie Kastner von Amberg, die einen Besitzhinweis für das Wappenbuch darstellen könnten.
 
Die Sammlung aus etwa 40 Konvoluten und Einzelblättern ist in einen zeitgenössischen Ganzpergamentband mit durchgezogenen Bünden und Bindebändern gebunden. Auf dem Rücken der handschriftliche Titel in Tinte: Wappensammlung. Der prekäre Erhaltungszustand des Codex läßt auf eine intensive Benützung über einen langen Zeitraum schließen.
 
Zustand vor der Restaurierung:
  • Das Pergament weist starke Gebrauchsspuren auf, es ist gealtert und deutlich geschrumpft, so daß es ca. 1,5 cm von der Vorderkante zurücksteht und im Rückenbereich nicht mehr in ausreichender Breite vorliegt. Zusätzlich ist das auf den Vorderschnitt ragende Pergament zurückgezogen, stark beschädigt und weist größere Fehlstellen auf.
  • Beide Spiegel fehlen.
  • Der Buchblock ist stark deformiert und weist eine extreme Gegenrundung auf.
  • Das Papier zeigt deutliche Benützungsspuren auf. Die Blattkanten sind durch zahlreiche Risse und Fehlstellen beschädigt.
  • Im mittleren Teil ist die Heftung beschädigt, einige Blätter sind lose.
  • An manchen Wappen ist ein Abklatsch der Farbe festzustellen, manche zeigen Farbabrieb. An einigen Beschriftungen ist beginnende Tintenkorrosion zu sehen.
Notwendige Maßnahmen:
  • Trockenreinigung der Seiten
  • Glätten von eingefalteten Bereichen
  • Sichern der Kanten
  • Schließen von Rissen und Fehlstellen
  • Zusammenhängen der losen Blätter und Einheften der Lagen
  • Rückformung des Buchblocks
  • Restaurierung des Pergamentbezuges
  • Verbinden von Einband und Buchblock.