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Signatur: Clm 522
Handschrift, um 1465, geschrieben von Hartmann Schedel
 
Papier, 271 Blatt, 15 x 22 x 5,5 cm
 
Buchpate: Prof. Dr. Peter Zahn, München
 
Der Schreiber:
Hartmann Schedel (1440-1514), Arzt in seiner Vaterstadt Nürnberg, zählt zu den bedeutenden Frühumanisten und ist bekannt als Verfasser der nach ihm benannten, reich bebilderten Weltchronik. Schon zu Lebzeiten war er als Sammler von Büchern berühmt. Seine Bibliothek, herausragend im damaligen Deutschland, spiegelte mit Schriften zu Grammatik, Logik, Rhetorik, Astronomie, Astrologie, Mathematik, Philosophie, Religion, Medizin und Geschichte die universale Wißbegier der Humanisten. Er vermehrte seine Sammlung durch Kauf, Tausch, Erbe und - wie damals in Gelehrtenkreisen üblich - durch eigenhändiges Abschreiben. 1507 umfaßte sie, wie wir dank eines von ihm selbst angelegten Kataloges wissen, 667 Bände. Sein Enkel Melchior Schedel erbte die Bibliothek und verkaufte sie 1552 für 500 Gulden an Johann Jakob Fugger in Augsburg. Dessen Sammlung wiederum erwarb 1571 Herzog Albrecht V. von Bayern. Zusammen mit den 1558 angekauften Büchern des Orientalisten Johann Albrecht Widmanstetter bildete sie den Grundstock der noch jungen Münchener Hofbibliothek. Einzelne Bände wurden im Lauf der Jahre verschenkt oder verkauft. Mit 1040 Büchern aber besitzt die Bayerische Staatsbibliothek bis heute den größten Teil der Bibliothek Hartmann Schedels.
 
Die Handschrift:
Der zu restaurierende Codex ist eine von den 370 in der Bayerischen Staatsbibliothek noch erhaltenen Handschriften Hartmann Schedels. Er enthält geschichtliche Texte, befaßt sich mit einer lateinischen Prosadichtung des Phrygius Dares aus dem 5. Jahrhundert und einer Rede des italienischen Humanisten Niccolo Perotti an Kaiser Friedrich III. Abgeschrieben und zusammengefaßt wurden die Texte fast ausschließlich in den Jahren 1461-1467. Äußerlich weist der Band verschiedene für Bücher aus dem Besitz Hartmann Schedels typische Eigenheiten auf. Mehreren Texten ist das Monogramm H S vorangestellt, andere enden mit diesem Monogramm und der Angabe des Datums. Die Seiten sind rot paginiert und tragen rote und blaue Initialen. Auf zwei Seiten findet sich am unteren Rand ein Mohrenkopf, Teil von Schedels Wappen. Das ursprüngliche Spiegelblatt ist mit dem ersten Pergamentblatt verklebt. Unter dem Pergament ist ein herzoglich-bayerisches Exlibris zu erkennen. Kurfürst Maximilian I. ließ es, auf dem Pergament, mit seinem eigenen Exlibris überkleben.
 
Einband:
Originaler Holzdeckelband, ganz mit Leder bezogen und mit Linien und Stempeln im gotischen Stil verziert. Die Stempel verraten, daß der Band bei den Augustinern in Nürnberg gebunden wurde. Auf den Deckeln vorne und hinten je fünf Beschläge, vier in den Ecken, einer in der Mitte. Zusätzlich zwei Schließen und ein mit Horn geschütztes Titelschild auf dem Vorderdeckel.
 
Schäden:
Die Narbung des Einbandleders ist am Buchrücken stark abgegriffen. Das Gelenk ist am vorderen Buchdeckel ganz, am hinteren teilweise gerissen. Die Hornplatte des Titelschildes ist eingerissen, der Riß verstaubt. Zwei der Metallbänder am Rand der Hornplatte sind lose und verbogen. An der unteren Schließe fehlt das Schließenband und der greifende Teil, an der oberen ist am haltenden Teil der Steg abgebrochen, das Schließenband löst sich auf. Die Heftung ist im Bereich der ersten Lage beschädigt, die Lage infolgedessen lose.
 
Restaurierung:
Um die Handschrift benützbar zu erhalten, müssen der Rücken stabilisiert und die Funktionsfähigkeit der Schließen wiederhergestellt werden. Dazu wird der Vorsatz abgelöst - Gelegenheit, die unter dem vorderen Pergamentspiegel befindlichen Besitzvermerke zu dokumentieren. Die Bünde werden verstärkt, die Lagen neu geheftet, anschließend wird der Pergamentspiegel wieder aufgeklebt. Die Eckbeschläge am Falz werden kurzzeitig entfernt, um das Bezugsleder anheben und einen neuen Lederrücken, in Oberfläche und Farbe ähnlich dem alten, darunter einfügen zu können. Danach werden der alte Rücken und die Eckbeschläge wieder aufgebracht. Die schadhaften Schließenteile werden repariert, die fehlenden und die Schließenbänder neu angefertigt. Der Riß im Titelschild auf dem Vorderdeckel wird gereinigt, die Teile werden vorsichtig zusammengeschoben. Die das Schild haltenden Metallbänder werden beradigt und abschließend wieder mit Nieten befestigt.